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Carnica- und Buckfast-Königin nebeneinander auf einer Wabe
BienenrassenCarnicaBuckfastImkerei-Management

Carnica oder Buckfast Bienen: Unterschiede und Wahl

Carnica oder Buckfast? Sanftmut, Honigertrag, Überwinterung, Schwarmneigung und Varroa im Vergleich, damit Sie die passende Biene für Ihren Standort finden.

Marcel Miculaiciuc12 Min. Lesezeit

Kurze Antwort: Die Carnica ist eine natürliche Unterart mit sehr großer Sanftmut, rascher Frühjahrsentwicklung und sparsamer Überwinterung. Sie passt zu kontinentalem Klima, frühen Trachten und zur Imkerei in der Nähe von Menschen. Die Buckfast ist eine Kombinationszüchtung aus mehreren Unterarten, mit gleichmäßiger Leistung bis in den Spätsommer und geringerer Schwarmneigung. Beide sind hervorragend; entscheiden Sie nach Klima und Trachtverlauf, nicht nach Ruf. Varroaresistent ist keine der beiden: Kontrolle und Behandlung brauchen alle Völker.

Wer in Mitteleuropa imkert, kommt an zwei Namen nicht vorbei: Carnica (die Kärntner Biene, auch Krainer Biene) und Buckfast. Beide haben in Deutschland viele überzeugte Anhänger, unter Hobby- wie unter Berufsimkern. In Sanftmut, Entwicklung und Völkerführung unterscheiden sie sich aber deutlich.

Dieser Artikel kürt keinen Sieger. Er hilft Ihnen, die passende Biene für Ihren Standort zu wählen: für Ihr Klima, Ihre Trachten und Ihre Erfahrung.

Herkunft von Carnica und Buckfast

Die Carnica (Apis mellifera carnica) ist eine natürliche Unterart, benannt nach der Region Krain im heutigen Slowenien. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet umfasst Krain, die Ostalpen mit Kärnten, das Pannonische Becken und den nördlichen Balkan. In den Karpaten lebt mit der Karpatenbiene (A. m. carpatica) eine nah verwandte Form, die in Rumänien heimisch ist. Sie hat sich in einem kontinentalen Klima mit kalten Wintern und kurzem, kräftigem Frühjahr entwickelt. Seit dem späten 19. Jahrhundert wird sie gezielt züchterisch bearbeitet; in Deutschland ist sie heute die am weitesten verbreitete Biene.

Die Buckfast geht auf Karl Kehrle zurück, der aus Oberschwaben stammte und in der Abtei Buckfast in Devon (Südwestengland) imkerte. Er begann 1916 mit seiner Zuchtarbeit, nachdem die Milbenseuche (Tracheenmilbe, Acarapis woodi) die meisten Bienenvölker Englands vernichtet hatte. Ausgangspunkt war eine Kreuzung der überlebenden einheimischen Bienen mit italienischen Bienen; in den folgenden Jahrzehnten kreuzte er unter anderem anatolische, griechische und französische Herkünfte ein. Das Ergebnis ist eine Kombinationszüchtung, die nach Leistungsmerkmalen ausgelesen wird und bis heute als geschlossene Zuchtpopulation weitergeführt wird.

Dieser Unterschied, natürliche Unterart gegenüber Kombinationszüchtung, erklärt vieles an ihrem Verhalten.

Sanftmut: Welche Biene ist friedlicher?

Die Carnica ist für ihre Sanftmut bekannt. Viele Völker lassen sich mit wenig Rauch und ohne Handschuhe durchsehen. Sie sitzen ruhig auf der Wabe, sind wabenstet und verfolgen den Imker kaum. Deshalb ist sie erste Wahl für Stadtimkerei, Freizeitimker und Lehrbienenstände, wo Stiche bei Kindern oder Nachbarn zum Problem würden.

Die Buckfast ist ebenfalls sanftmütig, weil Karl Kehrle konsequent auf Sanftmut ausgelesen hat. Manche Linien sind aber etwas „aufmerksamer“: Sie reagieren schneller auf Störungen und begleiten den Imker gelegentlich ein Stück vom Stand weg. Gut handhabbar bleibt sie trotzdem, doch wenn die Beuten nah an Menschen stehen, ist die Carnica die sicherere Wahl.

Bei beiden Rassen hängt die Sanftmut stärker von der Linie und der kontrollierten Anpaarung ab als vom Namen. Kreuzungen zwischen Carnica und Buckfast können, vor allem in späteren Generationen, deutlich stechlustiger sein als beide Ausgangsrassen.

Fazit: Bei der reinen Sanftmut liegt die Carnica vorn, die Buckfast knapp dahinter.

Honigertrag und Trachtverlauf

Beide bringen gute Erträge, aber auf unterschiedliche Weise:

Die Carnica entwickelt sich im Frühjahr sehr schnell. Sie reagiert stark auf die ersten Pollen- und Nektareinträge und ist in kühleren Lagen oft früher trachtreif als die Buckfast. Sobald die Tracht im Spätsommer endet, schränkt sie das Brutgeschäft aber auch früher ein. Ergebnis: sehr gute Frühjahrs- und Frühsommerernten, eher bescheidene Spättrachterträge.

Die Buckfast zeigt eine gleichmäßigere Leistungskurve. Sie entwickelt sich im Frühjahr ruhiger, hält aber das Brutnest und die Sammelkraft den Sommer über auf hohem Niveau. In warmen Regionen oder bei langen Spättrachten (Heide, Sonnenblume, Spätsommertracht) schneidet die Buckfast oft besser ab, weil sie noch in voller Stärke ist, wenn Carnica-Völker bereits kleiner werden.

Fazit: Carnica für frühjahrsbetonte Trachten (Raps, Robinie, Linde); Buckfast für lange Trachtperioden und milde Lagen.

Buckfast-Bienenstand in einer warmen mediterranen Landschaft mit Olivenbäumen und Lavendel, einem Klima, in dem die ausdauernde Spätsommerleistung der Buckfast zur Geltung kommt

Überwinterung

Hier zeigt sich die Herkunft der Carnica. Sie:

  • überwintert als kleine, kompakte Wintertraube und schränkt die Brut im Herbst früh ein
  • verbraucht weniger Winterfutter, weil das Wintervolk kleiner ist
  • entwickelt sich rasch, sobald im Frühjahr der erste Pollen eingetragen wird

Die Buckfast überwintert in den meisten Regionen Europas gut, geht aber meist stärker in den Winter und braucht mehr Futter. In harten kontinentalen Wintern (Rumänien, Polen, Ostdeutschland) verschafft die Sparsamkeit der Carnica einen Vorteil beim Futterverbrauch und in der Frühjahrsentwicklung.

Fazit: Carnica für harte kontinentale Winter; die Buckfast überall dort, wo die Winter gemäßigt sind und reichlich eingefüttert wird.

Carnica-Bienenstand auf einer Alm mit schneebedeckten Gipfeln im Hintergrund, dem kalten Bergklima, in dem sich die Carnica entwickelt hat

Varroa und Krankheiten: Ist eine Rasse resistent?

In beiden Rassen gibt es Linien mit gutem Putz- und Hygieneverhalten: Die Arbeiterinnen erkennen kranke oder von Milben befallene Brut und räumen sie aus. Wie ausgeprägt das ist, hängt von der Zuchtlinie ab, nicht vom Rassenamen.

Weder die Carnica noch die Buckfast ist als Rasse varroaresistent. Karl Kehrles berühmte Resistenzzucht richtete sich gegen die Tracheenmilbe, lange bevor die Varroa nach Europa kam. Heute arbeiten Züchter beider Rassen an der Varroatoleranz, und einzelne Linien zeigen messbare Fortschritte. Keine im Handel erhältliche Königin macht aber die regelmäßige Befallskontrolle und eine Behandlung bei Überschreiten der Schadschwelle überflüssig.

Fazit: Beurteilen Sie die Zuchtarbeit des Züchters, nicht den Rassenamen, und planen Sie die Varroabehandlung für jedes Volk ein.

Carnica und Buckfast im direkten Vergleich

MerkmalCarnicaBuckfast
HerkunftNatürliche Unterart (Krain, Ostalpen, nördlicher Balkan)Kombinationszüchtung (Abtei Buckfast, ab 1916)
SanftmutSehr sanftmütigSanftmütig
FrühjahrsentwicklungSchnell, früh trachtreifGleichmäßig
SpätsommerSchränkt früh einBleibt stark
WintervolkKlein, sparsamGrößer, braucht mehr Futter
Passendes KlimaKontinental, Bergland, harte WinterMild bis warm, lange Trachten
ErtragsschwerpunktFrühjahr und FrühsommerGleichmäßig über den Sommer
SchwarmneigungHöher (Schwarmkontrolle nötig)Geringer
VarroaLinienabhängig, Behandlung nötigLinienabhängig, Behandlung nötig
EinheitlichkeitHängt von der Anpaarung abHängt von der Anpaarung ab; Kreuzungen spalten auf

Welche Rasse passt zu Ihnen?

Carnica, wenn:

  • Ihr Standort kontinental oder bergig ist (Süd- und Ostdeutschland, Österreich, Alpenraum, Osteuropa)
  • Ihre Haupttrachten im Frühjahr und Frühsommer liegen (Raps, Robinie, Linde)
  • Sanftmut an erster Stelle steht (Stadtimkerei, Nähe zu Schulen oder Wohnhäusern)
  • die Winter hart sind und Sie sparsam überwintern möchten
  • Sie mit der Imkerei beginnen: Die Carnica verzeiht Fehler

Buckfast, wenn:

  • Ihr Standort mild ist oder Sie lange Spättrachten haben
  • Sie gleichmäßige Leistung über den Sommer statt einer Frühjahrsspitze wollen
  • Sie etwas „aufmerksamere“ Bienen für ausdauernde Sammelkraft in Kauf nehmen
  • Ihnen eine geringe Schwarmneigung und große, starke Völker wichtig sind
  • Sie im Erwerbsbetrieb imkern, wo große Völker sich rechnen

Beide Rassen auf einem Stand?

Das geht, und viele Imker machen es so: Carnica für die Frühtracht, Buckfast für die Spättracht. Wenn Sie jedes Jahr begattete Königinnen zukaufen, ist das unproblematisch, denn jede Königin ist bereits begattet. Wichtig wird es erst, wenn Sie selbst nachziehen: Die Töchter paaren sich dann mit Drohnen beider Rassen, und solche Mischungen können in späteren Generationen stechlustiger werden. In diesem Fall lohnen sich natürlich begattete Königinnen von Züchtern mit kontrollierter Anpaarung (siehe Halbisolation oder Reinbelegstelle).

Häufige Irrtümer

„Die Carnica schwärmt zu viel.“ Ältere Carnica-Herkünfte waren schwarmfreudig; moderne Zuchtlinien sind deutlich schwarmträger. Rechtzeitige Raumgabe und Schwarmkontrolle zählen mehr als die Rasse.

„Die Buckfast ist keine richtige Biene.“ Sie ist eine Kombinationszüchtung, wird aber seit über hundert Jahren ausgelesen. Sie ist stabil, bewährt und wird in ganz Europa und darüber hinaus im Erwerbsmaßstab gehalten.

„Italienerinnen sind besser als beide.“ Italienische Bienen (ligustica) sind leistungsstark, brüten aber lange in den Herbst hinein und verbrauchen in kontinentalen Wintern viel Futter. Sie waren eine der Ausgangsrassen der Buckfast; die Buckfast hat ihre Leistung übernommen und durch Auslese eine bessere Überwinterung gewonnen.

Fazit

Beide Rassen sind hervorragend. Richtig ist die Biene, die zu Ihrem Standort und Ihrer Betriebsweise passt, nicht die, die ein Bekannter empfiehlt. Wenn Sie gerade anfangen, fragen Sie im örtlichen Imkerverein, was sich in Ihrer Region bewährt hat.

Bei Bienen Königin züchten wir beide:

  • Carnica- und Buckfast-Königinnen von unserer Halbisolations-Belegstelle auf 800–900 m Höhe
  • Selektierte Buckfast-Königinnen von unserer isolierten Belegstelle (über 90 %) auf rund 1400 m Höhe

Alle sind natürlich begattet und gezeichnet. Sehen Sie sich die Königinnen und Preise der Saison an, lesen Sie, was eine Bienenkönigin kostet, oder schreiben Sie uns per WhatsApp, wenn Sie eine Empfehlung für Ihren Stand möchten.

Häufig Gestellte Fragen

Sind Carnica- oder Buckfast-Bienen sanftmütiger?

Die Carnica ist für ihre Sanftmut bekannt; viele Völker lassen sich mit wenig Rauch und ohne Handschuhe bearbeiten. Die Buckfast ist ebenfalls sanftmütig, manche Linien sind aber etwas „aufmerksamer“. Stehen die Beuten nah an Menschen, etwa in der Stadt, ist die Carnica die sicherere Wahl.

Welche Biene produziert mehr Honig?

Beide bringen gute Erträge, aber zu unterschiedlichen Zeiten. Die Carnica entwickelt sich im Frühjahr sehr schnell und schränkt im Spätsommer früh ein; die Buckfast bleibt den Sommer über stark. Entscheidend ist, wann Ihre Haupttrachten liegen.

Welche Rasse ist besser für kalte Winter?

Die Carnica stammt aus einem kontinentalen Klima: Sie überwintert als kleines, kompaktes Volk, verbraucht weniger Winterfutter und entwickelt sich im Frühjahr rasch. Die Buckfast überwintert in den meisten Regionen gut, geht aber stärker in den Winter und braucht mehr Futter.

Sind Buckfast-Bienen varroaresistent?

Nein. Weder die Buckfast noch die Carnica ist als Rasse varroaresistent. Karl Kehrles Resistenzzucht richtete sich gegen die Tracheenmilbe, lange bevor die Varroa nach Europa kam. Züchter beider Rassen arbeiten heute an der Varroatoleranz, und manche Linien zeigen Fortschritte, doch jedes Volk braucht weiterhin Befallskontrolle und Behandlung.

Kann ich Carnica und Buckfast im selben Bienenstand halten?

Ja, viele Imker halten beide: Carnica für die Frühtracht, Buckfast für die Spättracht. Kaufen Sie jedes Jahr begattete Königinnen zu, ist das unproblematisch. Ziehen Sie selbst nach, paaren sich die Töchter mit Drohnen beider Rassen, und solche Kreuzungen können in späteren Generationen stechlustiger werden.

Ist die Buckfast eine „echte“ Bienenrasse?

Die Buckfast ist eine Kombinationszüchtung, die Karl Kehrle ab 1916 in der Abtei Buckfast aufbaute und die seit über hundert Jahren ausgelesen wird. Sie ist keine natürliche Unterart, aber eine stabile, bewährte Zuchtpopulation, die in ganz Europa gehalten wird.