
Umweiseln im Spätsommer: Königin Juli bis September zusetzen
Umweiseln im Spätsommer: der richtige Monat für Ihr Klima, Varroabehandlung abstimmen, Räuberei vermeiden und was tun, wenn die Königin nicht angenommen wird.
Kurze Antwort: Umweiseln im Spätsommer lohnt sich: Es ist eines der besten Zeitfenster im Bienenjahr. Setzen Sie die neue Königin im Juli oder August zu, in den meisten kontinentalen Lagen spätestens Anfang September, damit sie mehrere Wochen legt, bevor die Brut für den Winter zurückgeht. Alte Königin entnehmen, begattete Königin im Zusetzkäfig mit Futterteig zwischen zwei Brutwaben einhängen, 5–7 Tage nicht öffnen, dann nach Stiften suchen. Die Varroabehandlung planen Sie darum herum, nie mittendrin.
Im Frühjahr reden alle über Königinnen, doch viele erfahrene Imker weiseln hauptsächlich nach der Honigernte um. Das Volk hat seinen Höhepunkt hinter sich, die alte Königin hat gezeigt, was sie kann, und eine junge Königin, die jetzt ins Volk kommt, prägt die Bienen, die es durch den Winter tragen.
Hier geht es um das Umweiseln im Spätsommer: wann und warum Sie die Königin im Juli, August oder September zusetzen, die drei typischen Situationen (Wirtschaftsvolk, Ableger, Vereinigen), die Vorsichtsmaßnahmen in der Trachtlücke und die Abstimmung mit der Varroabehandlung. Die Käfigmethode selbst beschreiben wir ausführlich in unserer Anleitung Königin zusetzen: Schritt für Schritt.
Warum Umweiseln im Spätsommer sinnvoll ist
Winterbienen. Die Bienen, die überwintern, werden ab dem Spätsommer bis in den Herbst aufgezogen. Sie leben Monate statt Wochen, und ob das Volk das Frühjahr erreicht, hängt davon ab, wie viele gesunde Winterbienen es erbrütet. Eine junge, gut begattete Königin legt meist gleichmäßig bis in den Herbst, eine alte oder nachlassende stellt oft früh ein.
Weniger Schwarmstimmung im nächsten Jahr. Völker mit einer Königin in ihrem ersten vollen Jahr neigen erfahrungsgemäß weniger zum Schwärmen als Völker mit zwei- oder dreijährigen Königinnen. Wer im Spätsommer umweiselt, geht mit jungen Königinnen in die nächste Schwarmzeit. Damit Sie das Alter im Blick behalten, hilft die internationale Farbe zum Zeichnen der Königin.
Sie wissen, welche Völker es brauchen. Im Juli haben Sie eine ganze Saison beobachtet: Sanftmut, Brutbild, Honigertrag, Frühjahrsentwicklung. Die schwächsten Königinnen jetzt zu ersetzen, ist eine Entscheidung auf Grundlage von Beobachtung.
Das Volk ist leichter zu bearbeiten. Nach der Haupttracht wird das Brutnest kleiner und die Volksstärke sinkt. Die alte Königin ist schneller gefunden als in einem vollen Juni-Volk.
Umweiseln im Spätsommer: Juli, August oder September?
Ob Sie die Königin im Juli, August oder September zusetzen, hängt weniger vom Datum ab als von Ihrem Klima. Als Faustregel gilt: Die neue Königin sollte mindestens zwei volle Brutzyklen legen (eine Arbeiterin braucht 21 Tage vom Ei bis zum Schlupf, also rund sechs Wochen), bevor das Volk die Bruttätigkeit für den Winter einstellt.
| Monat | Vorteile | Risiken |
|---|---|---|
| Juli | Viel Zeit bis zum Winter; noch Drohnen vorhanden; Volk stark und warm | Tracht läuft evtl. noch, alte Königin schwer zu finden; Honigräume im Weg |
| August | Klassisches Fenster nach der Ernte; neue Königin erbrütet die Winterbienen; passt zur Sommerbehandlung | Trachtlücke und Räuberei; Hitze; Behandlungszeitpunkt muss geplant sein |
| September | In milden Lagen noch machbar; kleine Völker leicht zu kontrollieren | Kalte Nächte, schrumpfendes Brutnest, wenig Zeit zum Aufbau; in kühlen Lagen zu spät |
Bis wann ist es sinnvoll?
- Kühle, nördliche Lagen und Mittelgebirge: Die neue Königin sollte bis Mitte August in Eilage gehen.
- Kontinentales Flachland (weite Teile Mitteleuropas): August ist ideal, die ersten Septembertage sind meist die Grenze.
- Milde, maritime oder südliche Lagen: Auch September kann noch klappen, solange die Nächte mild sind und Tracht oder Fütterung vorhanden ist.
Sind Sie spät dran, ist ein kleines Volk mit einer jungen Königin, die erst wenige Wochen legt, oft besser mit einem Nachbarvolk vereinigt als allein eingewintert.
Typische Risiken im Spätsommer
- Trachtlücke und Räuberei. Ein offener Stock in der Trachtlücke lockt Räuber innerhalb von Minuten an. Arbeiten Sie zügig, verengen Sie die Fluglöcher, füttern Sie abends und verschütten Sie keinen Sirup.
- Varroa. Die Milbenzahl erreicht im Spätsommer ihren Höhepunkt, genau wenn die Winterbienen aufgezogen werden. Das Umweiseln darf die Behandlung nicht um Wochen verschieben.
- Brutpausen. Zwischen der Entnahme der alten Königin und der ersten Eilage der neuen entsteht eine Legepause von ein bis zwei Wochen. Verdeckelte Brut ist dabei noch vorhanden, brutfrei wird das Volk dadurch nicht. Spät im Jahr kostet jede Woche ohne Eilage Winterbienen.
- Kalte Nächte. Eine gekäfigte Königin in einer kleinen Traube kann auskühlen. Hängen Sie den Käfig mitten ins Brutnest und setzen Sie nicht an kalten, windigen Tagen zu.
Drei Wege zum Umweiseln: Wirtschaftsvolk, Ableger, Vereinigen
Umweiseln im Wirtschaftsvolk
Der häufigste Fall: alte Königin raus, neue im Zusetzkäfig direkt ins Volk. Große Völker mit vielen älteren Sammlerinnen nehmen am schwersten an. Schaffen Sie deshalb gute Bedingungen: nach der Tracht arbeiten, bei fehlender Tracht leicht füttern, Ruhe am Stand.
Königin zusetzen im Ableger
Ableger aus jungen Bienen nehmen eine neue Königin bereitwilliger an als Wirtschaftsvölker. Viele Imker bilden im Juli Ableger, setzen dort die neue Königin zu und überwintern sie als Reservevölker. Ein Spätsommer-Ableger braucht genug Bienen, Futter und Zeit für die Entwicklung. In kühlen Lagen ist Juli besser als Ende August.
Umweiseln durch Vereinigen
Der schonendste Weg für eine wertvolle Königin: zuerst in einen Ableger zusetzen, abwarten bis sie legt, dann die alte Königin im Wirtschaftsvolk entnehmen und beide Völker vereinigen, zum Beispiel mit einer Lage Zeitungspapier zwischen den Zargen. Die legende Königin kommt mit eigenen Bienen und Brut, das macht die Vereinigung meist problemlos. Dasselbe Vorgehen eignet sich für späte Völker, die allein zu schwach zum Überwintern sind.
Schritt für Schritt: Umweiseln im Spätsommer
1. Volk vorbereiten
Verengen Sie einige Tage vorher das Flugloch und beginnen Sie bei fehlender Tracht mit einer leichten Fütterung mit Sirup 1:1. Lassen Sie sich den Liefertermin der Königin bestätigen, damit das Volk nicht länger als nötig weisellos bleibt.
2. Alte Königin suchen und entnehmen
Suchen Sie die Brutwaben ruhig und mit wenig Rauch ab. Ist sie schwer zu finden, hilft das Absperrgitter: Verteilen Sie die Brutwaben auf zwei Zargen mit dem Absperrgitter dazwischen und prüfen Sie nach 3–4 Tagen, in welcher Zarge frische Stifte sind. Dort sitzt die Königin.
3. Etwa 24 Stunden warten
Wird die alte Königin am Vortag entnommen, bemerkt das Volk ihr Fehlen. Warten Sie aber nicht viel länger: Schon nach ein bis zwei Tagen ziehen die Bienen Nachschaffungszellen, die Sie vor dem Zusetzen ausbrechen müssen, und nach Wochen ohne offene Brut können Drohnenmütterchen entstehen, erkennbar an Buckelbrut.
4. Neue Königin zusetzen
Setzen Sie die Königin im Zusetzkäfig mit Futterteig zwischen zwei Brutwaben zu und lassen Sie den Stock 5–7 Tage geschlossen, wie in unserer Anleitung Königin zusetzen: Schritt für Schritt beschrieben. Dort finden Sie auch alles zu Begleitbienen und zur ersten Kontrolle. Im Spätsommer gilt zusätzlich: Käfig wegen der kalten Nächte in die warme Mitte des Brutnests, einen ruhigen, milden Tag wählen und auf direktes Zusetzen ohne Käfig verzichten, weil die Sammlerinnen in der Trachtlücke wehrhafter sind.
5. Nach 5–7 Tagen kontrollieren und Nachschaffungszellen ausbrechen
Arbeiten Sie zügig und lassen Sie das Flugloch verengt, damit die Kontrolle keine Räuberei auslöst. Stifte in Arbeiterinnenzellen zeigen, dass die Königin angenommen ist. Brechen Sie jede Weiselzelle aus: Nachschaffungszellen zieht das Volk schon ein bis zwei Tage nach dem Verlust der Königin.
6. Varroabehandlung fortsetzen
Ist die Königin angenommen und legt, setzen Sie die Behandlung nach Plan fort oder beginnen damit (siehe unten).
Nach dem Zusetzen: Kontrolle und was tun, wenn es scheitert
Geben Sie der Königin 2–3 Wochen, bis sie gleichmäßig legt, bevor Sie sie beurteilen. Worauf Sie achten:
- Stifte und junge Maden in geschlossenem Brutbild: angenommen und in Eilage.
- Weiselzellen, aber keine Stifte nach 7–10 Tagen: Die Königin ist wahrscheinlich verloren.
- Einknäueln (ein fester Bienenknäuel um die Königin): sofort eingreifen, Königin wieder einkäfigen und dem Volk mehr Zeit geben.
Scheitert das Zusetzen, hängen Sie eine Weiselprobe ein, also eine Wabe mit Stiften und jüngsten Maden aus einem anderen Volk. Zieht das Volk Weiselzellen, ist es wirklich weisellos: Zellen ausbrechen und erneut eine Königin zusetzen. Spät im Jahr ist das Vereinigen mit einem weiselrichtigen Volk oft sinnvoller als ein zweiter Versuch. Wie Sie die Weiselprobe richtig machen, lesen Sie im Beitrag Weiselprobe: Volk weisellos?.
Umweiseln und Varroabehandlung abstimmen
Umweiseln und Varroabekämpfung plant man am besten gemeinsam. Einige allgemein anerkannte Grundsätze:
- Brutpause nutzen. Behandlungen, die nur Milben auf den Bienen erreichen, wirken am besten ohne verdeckelte Brut. Brutfrei ist ein Volk erst etwa drei Wochen nach der letzten Eiablage. Die kurze Legepause beim Umweiseln reicht dafür nicht. Wer eine echte Brutpause will, käfigt die alte Königin rund 24 Tage vor dem Umweiseln, behandelt das dann brutfreie Volk und setzt danach die neue Königin zu.
- Nicht gleichzeitig behandeln und zusetzen, wenn das Mittel stark riecht oder verdunstet. Das kann die Annahme stören und der Königin schaden. Halten Sie sich an die Gebrauchsanweisung und trennen Sie beide Schritte zeitlich.
- Rechtzeitig behandeln. Eine neue Königin löst keine hohe Milbenlast. Die Winterbienen aus August und September müssen in einem milbenarmen Volk heranwachsen.
- Befall kontrollieren, vorher und nachher, zum Beispiel mit Puderzuckermethode, Auswaschung oder Gemülldiagnose.
Welche Mittel in Ihrem Land zugelassen sind, erfahren Sie bei Ihrem Imkerverein oder Ihrem Tierarzt.
Königinnen rechtzeitig reservieren
Beim Umweiseln im Spätsommer muss die Königin genau dann ankommen, wenn das Volk bereit ist. Unsere natürlich begatteten Carnica- und Buckfast-Königinnen versenden wir von Mai bis August, innerhalb der EU in 2–5 Werktagen. August ist unser letzter Liefermonat. Für das Umweiseln im Spätsommer reservieren Sie deshalb früh in der Saison. Vorbestellungen für die nächste Saison nehmen wir ab September an, sie werden in der Reihenfolge der Reservierung bedient.
Was Königinnen üblicherweise kosten, lesen Sie in Was kostet eine Bienenkönigin?. Preise und Verfügbarkeit finden Sie auf der Seite mit unseren Königinnen, reservieren können Sie per WhatsApp oder Telefon über unsere Kontaktseite.
Häufig Gestellte Fragen
Wann sollte man die Königin zusetzen?
Im Spätsommer am besten im Juli oder August, in den meisten kontinentalen Lagen spätestens Anfang September. Die neue Königin sollte rund sechs Wochen legen, bevor das Volk die Brut für den Winter einstellt.
Wie lange bleibt die Königin im Zusetzkäfig?
Die Bienen fressen den Futterteig in wenigen Tagen durch und befreien die Königin selbst. Lassen Sie den Stock 5–7 Tage geschlossen und prüfen Sie dann, ob Stifte vorhanden sind.
Wie setze ich eine Bienenkönigin mit Begleitbienen richtig zu?
Beides ist gängige Praxis. Manche Imker entfernen die Begleitbienen, weil das Volk sie als fremd behandeln kann. Tun Sie das in einem geschlossenen Raum am Fenster, damit die Königin nicht davonfliegt, und hängen Sie den Käfig dann mitten ins Brutnest.
Bis wann kann man Königinnen züchten?
Für die Begattung braucht es Drohnen und gutes Flugwetter. Da die Völker im Spätsommer die Drohnen abtreiben, endet die eigene Königinnenzucht in Mitteleuropa meist im Hochsommer. Für spätes Umweiseln ist eine bereits begattete Königin die sicherere Wahl.
Kann ich gleichzeitig umweiseln und gegen Varroa behandeln?
Nicht mit stark riechenden oder verdunstenden Mitteln, denn sie können die Annahme stören und der Königin schaden. Trennen Sie Behandlung und Zusetzen zeitlich und halten Sie sich an die Gebrauchsanweisung.
Was tun, wenn die Königin nicht angenommen wird?
Hängen Sie eine Weiselprobe mit Stiften und jüngsten Maden ein. Zieht das Volk Weiselzellen, ist es weisellos und Sie können erneut zusetzen. Spät im Jahr ist das Vereinigen mit einem weiselrichtigen Volk oft sinnvoller.
Verwandte Artikel

Belegstelle: Halbisolation oder Reinbelegstelle?
Halbisolation oder Reinbelegstelle: wie Belegstellen die Drohnen kontrollieren, was das für Ihre Völker bedeutet und was Sie vor dem Kauf fragen sollten.

Bienenkönigin: Aufgaben, Lebensdauer, Größe & Entstehung
Die Bienenkönigin erklärt: Aufgaben, wie sie entsteht, Hochzeitsflug, Lebensdauer, Größe im Vergleich zu Arbeiterin und Drohn und wie Sie sie erkennen.

Carnica oder Buckfast Bienen: Unterschiede und Wahl
Carnica oder Buckfast? Sanftmut, Honigertrag, Überwinterung, Schwarmneigung und Varroa im Vergleich, damit Sie die passende Biene für Ihren Standort finden.