
Drohnenbrütig: Afterweisel erkennen und das Volk retten
Drohnenbrütiges Volk? So erkennen Sie Afterweisel und Buckelbrut, warum eine neue Königin abgestochen wird und welche Methoden in der Praxis wirklich helfen.
Kurze Antwort: Ein Volk wird drohnenbrütig, wenn es lange weisellos war und keine offene Brut mehr hatte. Dann beginnen Arbeiterinnen, sogenannte Afterweisel, unbefruchtete Eier zu legen. Sie erkennen das an mehreren Eiern pro Zelle, Eiern an den Zellwänden und Buckelbrut in Arbeiterinnenzellen. Eine direkt zugesetzte Königin wird fast immer abgestochen. Am sichersten sind das Vereinigen mit einem starken Volk oder das Abfegen weit vom Stand mit anschließender Gabe offener Brutwaben. Ist das Volk klein oder der Herbst schon weit fortgeschritten, lohnt sich die Rettung nicht.
Ein drohnenbrütiges Volk gehört zu den ärgerlichsten Befunden am Bienenstand. Auf den ersten Blick wirkt alles normal: Die Bienen fliegen, tragen Pollen ein, und auf den Waben liegen Eier. Nur gibt es keine Königin mehr, und aus allem, was schlüpft, werden Drohnen. Ohne Eingriff bricht das Volk innerhalb weniger Wochen zusammen.
Drohnenbrütigkeit lässt sich fast immer vermeiden, und wenn sie doch eintritt, gibt es bewährte Wege. Garantiert ist keiner davon, und nicht jedes Volk ist den Aufwand wert.
Wie Drohnenbrütigkeit entsteht
In einem normalen Volk halten zwei chemische Signale die Eierstöcke der Arbeiterinnen still: die Pheromone der Königin und die Pheromone der offenen Brut, also von Eiern und jungen Larven. Solange beides vorhanden ist, legen nur sehr wenige Arbeiterinnen Eier, und diese werden von anderen Bienen gefunden und ausgeräumt.
Das Problem beginnt, wenn das Volk seine Königin verliert und keine neue aufziehen kann. Die Nachschaffungszellen scheitern, die junge Königin kehrt vom Hochzeitsflug nicht zurück, oder es waren schlicht keine passenden Larven mehr da. Sobald die letzte Brut verdeckelt ist, fehlen beide Signale. Bei einigen Arbeiterinnen entwickeln sich dann die Eierstöcke, und sie beginnen zu legen. Meist dauert das rund drei Wochen oder länger ohne offene Brut. Deshalb lohnt sich die schnelle Kontrolle eines verdächtigen Volkes so sehr.
Afterweisel sind nicht begattet. Ihre Eier sind unbefruchtet, daraus entstehen ausschließlich Drohnen, die kleiner bleiben als normale, weil sie in Arbeiterinnenzellen aufwachsen.
Afterweisel oder drohnenbrütige Königin?
Drohnenbrütig kann ein Volk auf zwei Wegen werden. Entweder legen Afterweisel, oder eine unbegattete bzw. erschöpfte Königin legt nur noch unbefruchtete Eier. Für die Behandlung macht das einen großen Unterschied.
| Merkmal | Afterweisel (eierlegende Arbeiterinnen) | Drohnenbrütige Königin |
|---|---|---|
| Eier pro Zelle | Oft 2 und mehr | In der Regel eines |
| Lage der Eier | An den Zellwänden, nicht nur am Boden | Mittig am Zellboden |
| Brutbild | Lückig, verstreut, über mehrere Waben | Eher geschlossen, aber nur Drohnenbrut |
| Verdeckelung | Buckelbrut in Arbeiterinnenzellen | Buckelbrut in Arbeiterinnenzellen |
| Weiselzellen | Manchmal kleine, sinnlose Zellen mit Drohnenmaden | Selten |
| Königin | Nicht vorhanden | Bei genauem Suchen auffindbar |
Ein paar Hinweise aus der Praxis:
- Mehrere Eier pro Zelle heißen nicht automatisch Afterweisel. Eine junge Königin, die gerade in Eilage geht, setzt in einem kleinen Volk gelegentlich zwei Eier in eine Zelle. Sie legt aber auf den Zellboden und fängt sich schnell.
- Eier an der Zellwand sind das deutlichste Zeichen. Der Hinterleib einer Arbeiterin ist zu kurz, um den Zellboden zu erreichen, also bleibt das Ei seitlich kleben.
- Buckelbrut. Drohnen in Arbeiterinnenzellen brauchen mehr Platz, die Bienen wölben die Deckel hoch. Auf einer ganzen Wabe sieht das aus wie eine Fläche voller kleiner Kuppeln.
- Verhalten. Drohnenbrütige Völker sind oft unruhig und „heulen“ beim Öffnen wie ein weiselloses Volk.
Sehen Sie Buckelbrut, aber einzelne, mittig gesetzte Eier, suchen Sie zuerst die Königin. Dann ist der Fall einfach: drohnenbrütige Königin finden, entfernen, Volk einen Tag weisellos lassen und eine begattete Königin zusetzen, wie im Leitfaden zum Königin zusetzen beschrieben.
Warum Afterweisel eine neue Königin nicht annehmen
Hier liegt der Kern des Problems. Ein Volk mit Afterweiseln verhält sich nicht wie ein weiselloses Volk. Die eierlegenden Arbeiterinnen senden selbst einen Teil der Signale, die das Volk mit einer Königin verbindet. Das Volk „glaubt“, es sei weiselrichtig, und behandelt jede fremde Königin als Eindringling.
Dazu kommt die Altersstruktur. Seit Wochen sind keine Arbeiterinnen mehr geschlüpft, Ammenbienen sind kaum noch da, und alte Flugbienen nehmen Veränderungen deutlich schlechter an. Selbst mit Zusetzkäfig und Futterteigverschluss ist die Annahmequote weit niedriger als in einem gewöhnlichen weisellosen Volk.
Die praktische Folgerung lautet: Setzen Sie einem drohnenbrütigen Volk keine wertvolle Königin direkt zu. Erst ändern Sie den Zustand des Volkes, dann kommt die Königin.
Methoden, die in der Praxis funktionieren
In Imkervereinen und in der Fachliteratur tauchen immer wieder dieselben Verfahren auf. Jedes hat seine Stärken und Grenzen.
Methode 1: Abfegen weit vom Stand
Sie tragen die Beute 50 bis 100 Meter oder weiter vom Stand weg, fegen bzw. schütteln alle Bienen ins Gras ab und stellen auf den alten Platz eine Beute mit Waben ohne Drohnenbrut. Die Flugbienen kehren auf den alten Standplatz zurück oder betteln sich bei Nachbarvölkern ein. Manche Imker schütteln das Volk auch mehrere Kilometer entfernt ab und geben es damit praktisch auf.
Die Idee: Ein Teil der Afterweisel war lange nicht ausgeflogen, orientiert sich schlechter und findet nicht zurück. Verlassen können Sie sich darauf nicht, denn manche kehren trotzdem heim. Darum wirkt das Abfegen am besten in Kombination mit offener Brut.
- Vorteile: schnell, schwächt keine anderen Völker, die Drohnenbrutwaben sind raus.
- Nachteile: Bienenverlust, Nachbarvölker bekommen unruhige Bienen, Ergebnis unsicher.
Methode 2: Offene Brutwaben, wiederholt
Sie hängen dem Volk eine Wabe mit Eiern und jungen Larven aus einem gesunden Volk in die Mitte, einmal pro Woche, zwei- bis dreimal hintereinander. Die Brutpheromone hemmen die Eierstöcke der Afterweisel nach und nach, und die verbliebenen Ammenbienen haben wieder etwas zu pflegen.
Das Zeichen für den Erfolg: Das Volk zieht auf der gegebenen Wabe Nachschaffungszellen. Ab diesem Moment verhält es sich wie ein normales weiselloses Volk. Sie brechen die Zellen aus und setzen eine begattete Königin im Käfig zu.
- Vorteile: die schonendste Methode, das Volk bleibt erhalten.
- Nachteile: dauert zwei bis drei Wochen und schwächt die Spendervölker; in einem kleinen, überalterten Volk wird die Brut unter Umständen nicht ausreichend gepflegt.
Methode 3: Vereinigen mit einem starken Volk
Sie setzen das drohnenbrütige Volk mit einer Lage Zeitungspapier, in die Sie ein paar Schlitze stechen, auf ein starkes weiselrichtiges Volk. In zwei bis drei Tagen nagen die Bienen das Papier durch, gewöhnen sich an den gemeinsamen Geruch, und die Königin des starken Volkes übernimmt. Alternativ vereinigen Sie Wabe für Wabe, nachdem Sie alle Bienen mit dünnem Sirup besprüht haben.
- Vorteile: die sicherste Methode, Bienen und Waben bleiben erhalten.
- Nachteile: Sie verlieren ein Volk als Einheit; ein kleines Restrisiko für die Königin des Aufnehmervolkes bleibt. Viele Imker fegen das Problemvolk deshalb erst ab und vereinigen nur die zurückkehrenden Bienen.
Ist das vereinigte Volk wieder kräftig, können Sie im nächsten Frühjahr einen Ableger bilden und ihm eine neue Königin geben.
Methode 4: Aufteilen auf mehrere Völker
Die Waben mit den aufsitzenden Bienen werden einzeln oder zu zweit auf mehrere starke Völker verteilt. Das Risiko für jedes Aufnehmervolk ist gering, und die Bienen arbeiten weiter. Auch das ist eine Form der Auflösung, nur ohne Bienenverlust.
Die Methoden im Vergleich
| Methode | Zeitaufwand | Erfolgsaussicht | Preis dafür |
|---|---|---|---|
| Abfegen weit vom Stand | Ein Tag | Mittel, kombiniert besser | Bienenverlust |
| Offene Brutwaben, wiederholt | 2–3 Wochen | Gut, solange das Volk noch stark ist | Schwächt Spendervölker |
| Vereinigen (Zeitungsmethode) | Wenige Tage | Am besten | Volk als Einheit weg |
| Aufteilen auf mehrere Völker | Ein Tag | Sehr gut | Volk als Einheit weg |
Wann sich die Rettung nicht lohnt
Seien Sie ehrlich zu sich selbst. Ein drohnenbrütiges Volk zu retten, ergibt nur Sinn, wenn der Nutzen größer ist als der Aufwand. Lassen Sie es, wenn:
- das Volk nur noch wenige Waben besetzt. Eine Handvoll alter Bienen kann keine Brut mehr aufziehen, selbst wenn sie eine Königin annimmt.
- es schon Spätherbst ist. Die neue Königin hat keine Zeit mehr, genügend Winterbienen zu erzeugen. Wie spät ein Königinnentausch überhaupt noch sinnvoll ist, lesen Sie im Beitrag zum Zusetzen im Juli, August und September.
- Sie bereits zwei bis drei offene Brutwaben gegeben haben, ohne dass Weiselzellen entstanden sind. Dann ist das Volk vermutlich zu überaltert.
- Sie keine starken Völker haben, denen Sie Brut entnehmen können, ohne deren Entwicklung oder Tracht zu gefährden.
In diesen Fällen ist Vereinigen oder Aufteilen die beste Entscheidung. Die Waben bleiben Ihnen erhalten, und die leere Beute steht im Frühjahr für einen neuen Ableger bereit.
So beugen Sie Drohnenbrütigkeit vor
- Kontrollieren Sie Völker nach dem Schwärmen, nach einem Königinnenwechsel und nach jeder Ablegerbildung. Eine junge Königin, die drei Wochen nach dem Schlupf noch nicht in Eilage ist, ist ein Alarmzeichen.
- Geben Sie einem weisellosen Volk sofort eine Wabe mit offener Brut. Das verschafft Zeit und verhindert, dass Afterweisel entstehen. Woran Sie Weisellosigkeit sicher erkennen, zeigt der Beitrag zur Weiselprobe.
- Halten Sie in der Saison eine Reservekönigin oder einen kleinen Ableger bereit, damit Sie in Tagen statt in Wochen reagieren können.
Eine begattete Königin für das gerettete Volk
Hat das Volk auf der Brutwabe Weiselzellen angesetzt, oder haben Sie es vereinigt und später neu aufgeteilt, brauchen Sie eine begattete Königin, die sofort in Eilage geht. Unsere Carnica- und Buckfast-Königinnen aus der Maramureș sind natürlich begattet und gezeichnet. Preise und Versandzeiträume finden Sie auf der Seite mit unseren Königinnen, reservieren können Sie per WhatsApp oder Telefon.
Häufig Gestellte Fragen
Woran erkenne ich ein drohnenbrütiges Volk?
Achten Sie auf mehrere Eier pro Zelle, Eier an den Zellwänden und verstreute Buckelbrut in Arbeiterinnenzellen. Sind die Eier einzeln und mittig gesetzt, aber es entstehen nur Drohnen, suchen Sie zuerst nach einer drohnenbrütigen Königin.
Warum wird die zugesetzte Königin in einem drohnenbrütigen Volk abgestochen?
Die Afterweisel senden ähnliche Signale wie eine Königin, und das Volk ist überaltert. Es verhält sich, als sei es weiselrichtig, und sticht die fremde Königin ab. Ändern Sie zuerst den Zustand des Volkes mit offenen Brutwaben oder durch Vereinigen, dann setzen Sie die Königin zu.
Können Afterweisel Arbeiterinnen hervorbringen?
Nein. Afterweisel sind unbegattete Arbeiterinnen. Ihre Eier sind unbefruchtet, daraus entstehen nur Drohnen, die kleiner bleiben als normale.
Wie rette ich ein drohnenbrütiges Volk am besten?
Am sichersten ist das Vereinigen mit einem starken weiselrichtigen Volk über Zeitungspapier oder das Aufteilen der Waben auf mehrere Völker. Wollen Sie das Volk erhalten, geben Sie zwei- bis dreimal im Wochenabstand eine offene Brutwabe, bis Weiselzellen entstehen, und setzen dann eine begattete Königin zu.
Wann lohnt es sich nicht mehr, ein drohnenbrütiges Volk zu retten?
Nicht, wenn das Volk nur noch wenige Waben besetzt, wenn bereits Spätherbst ist oder wenn nach zwei bis drei offenen Brutwaben keine Weiselzellen entstehen. Dann vereinigen Sie die Bienen mit einem Nachbarvolk und behalten die Waben.
Wie beuge ich Drohnenbrütigkeit vor?
Geben Sie einem weisellosen Volk sofort eine Wabe mit Eiern und jungen Larven. Die offene Brut hält die Eierstöcke der Arbeiterinnen still und verschafft Ihnen Zeit, eine Königin zu besorgen.
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