
Weiselzelle, unbegattete oder begattete Königin: was kaufen?
Weiselzelle, unbegattete oder begattete Königin? Zeitplan in Tagen, Risiken beim Begattungsflug und wann sich welche Variante für Ihr Volk wirklich lohnt.
Kurze Antwort: Eine begattete Königin geht wenige Tage nach der Freigabe in Eilage und ist für Wirtschaftsvölker die sicherste Wahl. Eine unbegattete Königin ist günstiger, muss aber noch auf Begattungsflug, mit allen Risiken durch Wetter und fremde Drohnen. Die Weiselzelle ist am günstigsten und am langsamsten: Von der reifen Zelle bis zur ersten Eilage vergehen meist zwei bis drei Wochen, manchmal mehr. Für Wirtschaftsvölker lohnt sich die begattete Königin, für Ableger in der Hauptsaison können Weiselzelle oder unbegattete Königin genügen.
„Lieber eine Weiselzelle oder gleich eine Königin?“ Diese Frage kommt jedes Frühjahr, oft mit dem Preis als einzigem Maßstab. Die drei Varianten sind aber nicht dasselbe Produkt zu unterschiedlichen Preisen. Es sind verschiedene Entwicklungsstufen der Königin. Jede Stufe, die Sie überspringen, bezahlen Sie entweder mit Zeit und Brut im Volk oder mit Geld an den Züchter.
Was ist eine Weiselzelle?
Eine Weiselzelle (auch Königinnenzelle oder Weiselwiege) ist die große, nach unten hängende Zelle, in der eine Königin heranwächst. Imker unterscheiden vier Arten, und die Unterscheidung ist wichtig, weil jede etwas anderes über das Volk verrät:
| Art | Wo am Rahmen | Was sie bedeutet |
|---|---|---|
| Schwarmzelle | Meist am unteren Wabenrand und an den Seiten, oft viele | Das Volk bereitet den Schwarm vor, die alte Königin ist noch da |
| Nachschaffungszelle | Auf der Wabenfläche, aus Arbeiterinnenzellen umgebaut | Das Volk hat seine Königin plötzlich verloren |
| Umweiselungszelle | Ein bis drei Zellen, meist mitten auf der Wabe | Stille Umweiselung: eine nachlassende Königin wird ersetzt |
| Zuchtzelle | Am Zuchtrahmen, aus Weiselnäpfchen nach dem Umlarven | Gezielte Königinnenzucht durch den Imker |
Wenn von „Weiselzelle kaufen“ die Rede ist, geht es fast immer um Zuchtzellen: verdeckelte, reife Zellen kurz vor dem Schlupf, die der Züchter aus einer ausgewählten Mutter gezogen hat. Wie dieser Ablauf funktioniert, lesen Sie in unserem Beitrag zur Königinnenzucht.
Die drei Varianten im Überblick
- Weiselzelle: Sie wird reif und verdeckelt geliefert oder abgeholt und in ein weiselloses Volk oder ein Begattungsvölkchen gegeben. Die Königin schlüpft im Volk.
- Unbegattete Königin: Sie ist bereits geschlüpft, hat aber noch keine Begattungsflüge gemacht. Sie kommt im Käfig und wird wie eine Königin zugesetzt.
- Begattete Königin: Sie hat sich gepaart und schon gelegt, bevor sie gekäfigt und verschickt wurde. Meist ist sie gezeichnet.
Wann schlüpft die Königin? Der Zeitplan vom Ei bis zur Eilage
Die Zeitunterschiede ergeben sich direkt aus der Entwicklung der Königin. Die Werte unten sind übliche Richtwerte aus der Fachliteratur (zusammengefasst etwa bei Honey Bee Suite); schlechtes Wetter verlängert sie.
| Stufe | Tag (ab Eiablage) | Was passiert |
|---|---|---|
| Ei | 0–3 | Am dritten Tag schlüpft die Larve |
| Larve | 3–8 | Reichlich Gelée royale |
| Zelle wird verdeckelt | ca. 8–9 | Beginn der Puppenphase |
| Schlupf | ca. 16 | Die unbegattete Königin verlässt die Zelle |
| Reifung | 16–21 | Ab etwa dem 5. Tag nach dem Schlupf erste Orientierungsflüge |
| Begattungsflüge | ca. 21–28 | Nur bei warmem, ruhigem Wetter |
| Eilage beginnt | ca. 26–30 | 2–3 Tage nach der Begattung, meist 10–14 Tage nach dem Schlupf |
Für die Praxis heißt das:
- Reife Weiselzelle: Das Volk wartet auf Schlupf, Reifung, Begattung und Legebeginn. Bis zu den ersten Stiften vergehen etwa zwei bis drei Wochen, manchmal mehr.
- Unbegattete Königin: Nach der Annahme folgen noch Reifung und Begattungsflüge. Mit gutem Wetter sind es etwa eineinhalb bis zwei Wochen bis zur Eilage.
- Begattete Königin: Sie legt wenige Tage nach der Freigabe aus dem Käfig.
Warum die begattete Königin einen Brutzyklus spart
Eine Arbeiterin braucht vom Ei bis zum Schlupf 21 Tage. Die zwei bis drei Wochen ohne Eilage, die eine Weiselzelle gegenüber einer begatteten Königin kostet, entsprechen also ungefähr einem kompletten Brutzyklus. In dieser Zeit:
- schlüpfen keine neuen Bienen nach, während die vorhandenen altern und sterben;
- geht das Volk schwächer in die nächste Tracht;
- steigt das Risiko, dass ein Volk unbemerkt weisellos bleibt, wenn die junge Königin vom Begattungsflug nicht zurückkehrt.
Eine gute Königin legt in der Hochsaison über tausend Eier am Tag. Drei Wochen ohne Eilage sehen Sie etwa sechs Wochen später als Lücke bei den Flugbienen, oft genau dann, wenn die Tracht kommt. Den Preisunterschied zwischen Weiselzelle und begatteter Königin sollten Sie deshalb mit diesem Verlust vergleichen, nicht nur untereinander.
Die Risiken jeder Variante
Der Begattungsflug
Eine unbegattete Königin und eine Königin aus der Weiselzelle müssen ausfliegen, einen Drohnensammelplatz finden und zurückkehren. Unterwegs können Vögel sie erwischen, sie kann sich verfliegen oder in ein fremdes Volk geraten. Kommt sie nicht zurück, ist das Volk weisellos und hat oft keine jungen Larven mehr, um selbst nachzuschaffen. Wie Sie das erkennen, zeigt unser Beitrag Weisellos? Weiselprobe und sichere Anzeichen.
Das Wetter
Begattungsflüge brauchen warme, sonnige und windarme Tage. Eine verregnete Woche im Juni kann die Begattung deutlich verzögern. Wird eine Königin in den ersten Lebenswochen nicht begattet, kann sie drohnenbrütig werden: Sie legt nur unbefruchtete Eier, aus denen Drohnen entstehen. Mehr dazu im Beitrag Drohnenbrütiges Volk.
Die Drohnen
Eine Königin, die an Ihrem Stand begattet wird, paart sich mit den Drohnen der Umgebung, auch mit denen aus Nachbarständen, deren Herkunft und Sanftmut Sie nicht kennen. Die Mutterseite ist bekannt, die Vaterseite ein Glücksspiel. Königinnen von abgelegenen Belegstellen verkleinern dieses Glücksspiel deutlich; den Unterschied erklärt unser Vergleich Belegstelle: Halbisolation oder Reinbelegstelle.
Die Annahme
Weiselzellen werden von einem weisellosen Volk meist gut angenommen, weil die Königin im Volk schlüpft und dessen Duft annimmt. Voraussetzung: Das Volk hat keine eigenen Nachschaffungszellen mehr, sonst wird die fremde Zelle oft ausgebissen. Ein Weiselzellenschutz hilft dabei. Eine bereits geschlüpfte unbegattete Königin wird schwerer angenommen als eine begattete, die legt und kräftig Pheromone abgibt. Die begattete Königin setzen Sie im Käfig mit Futterteigverschluss zu, wie in unserer Anleitung Königin zusetzen beschrieben. Bei jeder Variante hängt die Annahme stark vom Zustand des Volkes und von Ihrer Arbeitsweise ab.
Der Transport
Weiselzellen sind stoß- und temperaturempfindlich und lassen sich schlecht über weite Strecken verschicken. Wer eine Weiselzelle kauft, holt sie deshalb am besten selbst beim Züchter in der Nähe ab, transportiert sie warm und erschütterungsfrei und setzt sie noch am selben Tag ein. Königinnen, ob begattet oder nicht, reisen im Käfig mit Begleitbienen und Futterteig und vertragen den Versand deutlich besser.
Vergleichstabelle
| Kriterium | Weiselzelle | Unbegattete Königin | Begattete Königin |
|---|---|---|---|
| Zeit bis zur ersten Eilage | ca. 2–3 Wochen oder mehr | ca. 1,5–2 Wochen | Wenige Tage nach Freigabe |
| Risiko Begattungsflug | Ja | Ja | Nein, bereits begattet |
| Wetterabhängigkeit | Hoch | Hoch | Gering |
| Kontrolle der Drohnen | Nein (Standbegattung) | Nein (Standbegattung) | Ja, wenn von einer Belegstelle |
| Annahme | Meist gut | Heikler | Gut, bei richtigem Zusetzen |
| Qualität vorher prüfbar | Nein | Teilweise | Ja, der Züchter hat die Eilage gesehen |
| Versand | Heikel | Gut | Gut |
| Preis | Am niedrigsten | Mittel | Am höchsten |
Was kostet was?
Die Reihenfolge ist überall gleich: Die Weiselzelle ist am günstigsten, die unbegattete Königin liegt in der Mitte, die begattete Königin kostet am meisten, weil sie alle oben genannten Risiken schon hinter sich hat. Die genauen Preise schwanken stark nach Züchter, Rasse und Art der Begattung. Zur Orientierung: Bei uns kostet eine begattete Königin je nach Menge 18 bis 22 € aus Halbisolation und 34 bis 40 € von der isolierten Belegstelle.
Welche Variante passt zu welcher Situation?
Wirtschaftsvolk
Begattete Königin. Ein Wirtschaftsvolk kann sich drei Wochen ohne Eilage nicht leisten, und Sie wollen wissen, welche Genetik in die Beute kommt. Das ist die Standardwahl beim Umweiseln alter Königinnen und bei weisellosen Völkern in der Saison.
Ableger oder Begattungsvölkchen
Hier haben Sie mehr Spielraum. Ein Ableger muss nicht sofort eine Tracht bringen und kann auf eine Weiselzelle oder eine unbegattete Königin warten, sofern Sie mitten in der Saison sind, mit vielen Drohnen und stabilem Wetter. Bilden Sie Ableger spät oder soll der Ableger bis zur Einwinterung schnell stark werden, verkürzt eine begattete Königin den Weg erheblich.
Eigene Königinnenzucht
Wer selbst Königinnen zieht, arbeitet ohnehin mit Zuchtzellen und Begattungsvölkchen. Ausgangspunkt ist eine gute, begattete Königin als Zuchtmutter, von der Sie umlarven und Ihre eigenen Weiselzellen ziehen.
Spät entdeckte Weisellosigkeit
Begattete Königin, ohne Zögern. Ein Volk, das schon seit Wochen weisellos ist, hat keine Zeit mehr für Begattungsflüge, und die Gefahr von Drohnenmütterchen steigt nach etwa drei Wochen ohne offene Brut.
| Situation | Empfehlung |
|---|---|
| Umweiseln im Wirtschaftsvolk | Begattete Königin |
| Weiselloses Volk in der Saison | Begattete Königin |
| Ableger im Mai oder Juni, viele Drohnen | Weiselzelle oder unbegattete Königin |
| Ableger zur Einwinterung, gebildet im Juli oder August | Begattete Königin |
| Eigene Königinnenzucht | Zuchtzellen aus der gewählten Zuchtmutter |
Was wir verkaufen
Damit es klar ist: Bei Bienen Königin verkaufen wir ausschließlich begattete Königinnen. Weiselzellen und unbegattete Königinnen haben wir nicht im Angebot. Unsere Carnica- und Buckfast-Königinnen sind natürlich begattet und gezeichnet. Sie kommen von einer halbisolierten Belegstelle in der Maramureș, ausgewählte Buckfast-Königinnen auch von einer isolierten Belegstelle auf etwa 1400 m. Das heißt nicht, dass Weiselzellen oder unbegattete Königinnen die falsche Wahl sind: Für Ableger und die eigene Zucht haben sie ihren Platz. Dafür sind Sie bei einem Züchter in Ihrer Nähe besser aufgehoben.
Wenn Sie sich für eine begattete Königin entschieden haben, finden Sie Preise nach Menge und beide Begattungsarten auf unserer Seite. Reservieren können Sie per WhatsApp oder Telefon.
Häufig Gestellte Fragen
Was ist eine Weiselzelle?
Eine Weiselzelle ist die große, nach unten hängende Zelle, in der eine Königin heranwächst. Schwarmzellen sitzen meist am unteren Wabenrand, Nachschaffungszellen entstehen nach Königinnenverlust auf der Wabenfläche, Zuchtzellen zieht der Imker gezielt am Zuchtrahmen.
Wann schlüpft die Königin aus der Weiselzelle?
Die Königin schlüpft etwa 16 Tage nach der Eiablage, also rund 7–8 Tage nach dem Verdeckeln der Zelle. Bis zur ersten Eilage vergehen danach meist weitere 10–14 Tage.
Weiselzelle oder begattete Königin: was ist besser?
Für ein Wirtschaftsvolk die begattete Königin: Sie legt wenige Tage nach der Freigabe und muss keinen Begattungsflug mehr überstehen. Für Ableger mitten in der Saison, mit vielen Drohnen und stabilem Wetter, kann eine Weiselzelle genügen.
Wann legt eine unbegattete Königin?
Nach dem Schlupf braucht sie etwa 5–6 Tage zur Reifung, dann Begattungsflüge bei gutem Wetter. Meist beginnt sie 10–14 Tage nach dem Schlupf mit der Eilage.
Kann man Weiselzellen kaufen und verschicken?
Weiselzellen sind stoß- und temperaturempfindlich und werden am besten beim Züchter in der Nähe abgeholt, warm transportiert und am selben Tag eingesetzt. Wir verkaufen keine Weiselzellen, nur begattete Königinnen.
Warum kostet eine begattete Königin mehr?
Weil sie Reifung, Begattungsflüge und den Legebeginn schon hinter sich hat. Das Volk gewinnt gegenüber einer Weiselzelle ungefähr einen Brutzyklus von 21 Tagen.
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